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Sprungtum im Stadionbad

Brauchen Frauen ein anderes Bad als Männer?

Bericht vom
"Planungsgespräch von Frauen"
am 16. Juni

 

Zu Beginn wurden einige Ergebnisse und Gedanken präsentiert:

Heike Blanck vom Ortsamt gab eine vorläufige Zusammenfassung vom Jugend- Zukunftsfest und der Arbeit in Schulklassen. Als geschlechtsspezifische Unterschiede zeichnen sich ab:
Jungen wollen vor allem viele verschiedene Bewegungs- Angebote, Action. Die Konflikte mit Bademeistern sind nur bei ihnen Thema.
Mädchen äußern (je mehr sie Raum dazu haben) Bedürfnis nach abgegrenzten Räumen, zum Treffen, Ruhen. Bei ihnen spielen gemeinsame Aktivitäten eine größere Rolle. Und das Thema Sauberkeit & Hygiene (von Wasser, Toiletten, Umkleiden) ist ihnen wichtiger.

Dr. Monika Thiele von der Uni Bremen berichtete über eine Studie in Hamburg zu den Bedürfnissen von Frauen in Bädern. Einige Stichworte: größere Umkleiden, saubere Toiletten, nicht so laut, schöne Bepflanzung, abgeschirmte, geschützte Bereiche, Schwimm- Meisterinnen, die auch Angebote machen, warme Sitzbänke. Aus ihrer Arbeit ergänzte sie weitere Ideen: Variable, immer wieder neu gestaltete Schwimm- Inseln. Verleih von Flossen und Brillen. Musik unter Wasser. Ein Aquarium oder Terrarium unter Wasser hinter Panzerglas!
Hinter den letzten Ideen steckt die Beobachtung, dass viele Frauen ein besonderes (und letztlich ungesundes) Schwimmverhalten haben: Kopf krampfhaft über Wasser gehalten. Sie sollen so angeregt werden, mit dem Kopf unter Wasser zu gehen.

Die Frauen von der FOPA (feminist. Organisation von Planeriinnen und Architektinnen) berichteten aus ihrer Planungsarbeit die allgemeine Erfahrung, dass Mädchen zwar auch Bewegung und Aktivität suchen, sich im öffentlichen Raum in der Konkurrenz zu Jungen aber oft nicht durchsetzen. Deshalb sollten Anregungen und Freiräume geschaffen werden, wo auch Mädchen sich austoben können.

Anna Jones- Skeide vom Migrantinnenrat brachte eine Liste von Anregungen aus Gesprächen in ihrem Kreis mit:

  1. Schwimmkurse anbieten für Frauen / Migrantinnen, die von einer Frau mit Migrationshintergrund oder einer Frau mit interkulturellen Kompetenzen geleitet wird.
  2. Die Preise senken; Familienrabatte geben; Rabatt für alleinerziehende Mütter.
  3. Schwimmkurse für Mutter und Kind.
  4. 1 x pro Woche frauentag oder Halbtag für Frauen mit einer Frau als Bademeister.
  5. Überdachte oder schattige Ecke für Frauen in der Nähe des Kinderbeckens.
  6. Schattige Kinderbecken.
  7. Café einrichten in der Nähe des Kinderbeckens.
  8. Ein abgeschirmter Bereich für Frauen.
  9. Wärmeres Wasser.
  10. Whirlpool.
  11. Bad mit Salzwasser.
  12. Ein Bereich, den Frauen zügig durchschwimmen können.

Die dann anschließende sehr produktive Diskussion mündete zum Schluss in einer Sammlung von konkreten Vorschlägen und Bedürfnissen.
(Die Reihenfolge ist willkürlich und stellt keine Wertung dar.)

  • Ungestörte Plätze, "Sackgassen". D.h. Ruheflächen, die so liegen, dass sie nicht Durchgangsbereich nach irgendwohin sind.
  • Rückzugsmöglichkeiten an Land. Ruhige Räume.
  • Erweiterung der Fläche des Stadionbades wäre gut, insbes. für mehr Sportaktivitäten an Land
  • WC's und Umkleiden sauber (mehrmals am Tag reinigen), Umkleidekabinen größer (damit man nicht seine Kleidung nass und dreckig macht)
  • dezentrale WC's an mehreren Stellen im Bad, insbes. nahe am Kleinkinderbereich.
  • geschlechts- neutraler Wickelraum, damit nicht automatisch die Mütter wicklen müssen.
  • Schatten- Bereich beim Kinderbecken.
  • Warme Sitzbänke.
  • Chlorfreies Wasser.
  • Beim Sprungbecken: Verlegung des Ausstiegs weiter vom Sprungturm weg (Sicherheit)
  • dezentrale, differenzierte Sprungangebote, damit sich nicht alle, die springen möchten, in den Kampf um den Sprungturm einreihen müssen.
  • Balancier- Seil überm Wasser.
  • Mädchen- spezifische Spiel- und Bewegungsangebote, z.B. Volleyball, Federball, Geschicklichkeit, Balancieren
  • Interessantes unter Wasser, das Aquarium (s.o.) oder Objekte wie schöne Steine, Schatztruhe, Reifen
  • Große Bauklötze: Eine Sammlung von ein paar Hundert gleichmäßigen, einfachen Klötzen aus Schaumstoff odgl., ca. ½ m groß, schafft unendliche Spiel- und Baumöglichkeiten.
  • Spielgeräte- Verleih: Federball, Bälle, Schwimmflossen, Brillen, Geschicklichkeit, Schwimmobjekte,...
  • mehr weibliche Schwimm- Meisterinnen
  • aktive, initiative Rolle der Schwimm- Meisterinnen: neben Schwimmkursen Bewegungs- und Spielangebote im Wasser, Animation zu neuen Erfahrungen.
  • Bahnen mit Richtgeschwindigkeit, wird in anderen Ländern erfolgreich praktiziert: ausgewiesene Bahnen für langsamere und schnellere Schwimmer/innen, Hin- und Rückschwimmbahnen. Damit die Bahnenschwimmer/innen nicht immer im Stau stecken oder von Quer- und Gegenverkehr genervt werden.
  • Lange Öffnungszeiten, auch für Berufstätige oder Leute mit kleinen Kindern.
  • Erweiterte Nutzung außerhalb der Saison.
  • Nachtschwimmen
  • Frauen- Zeiten: Frauen- Tag, Halbtag, oder ein Frauen- Abend.
(Bericht Raymond Fismer)
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